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Erdbeerjoghurt

Da kommt nicht nur Natur rein

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KONSUMENT 10/2011 veröffentlicht: 22.09.2011, aktualisiert: 25.10.2011

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Herkunftsfragen

Vielen Verbrauchern ist es nicht egal, wo Lebensmittel herkommen. Daher haben wir alle Erzeuger gefragt, woher sie ihre Rohstoffe beziehen. Die Herkunft der Milch wurde fast immer nachvollziehbar bekannt gegeben. Lediglich Bauer und Andechser gaben sich vollständig zugeknöpft. Hergestellt werden die Joghurts überwiegend in Österreich und zu einem kleineren Prozentsatz in Deutschland. Eine Ausnahme ist Danone, die das Activia-Joghurt in Tschechien produzieren lässt. Unklar ist oft die Herkunft der Erdbeeren (siehe Seite 6 „Spuren nach China“).

Probiotische Lebensmittelergänzung 

Der in der traditionellen Joghurtfermentation eingesetzte Milchsäurebakterien-Stamm ist der stark säuernde Lactobacillus bulgaricus, der bei der Verdauung zu einem Gutteil von Magensäure und Gallensaft abgetötet wird. Einige der Keime aber überleben und beeinflussen die Darmflora vorübergehend positiv. Weil Mitteleuropäer milder schmeckende ­Joghurts bevorzugen, ergänzt man seit Jahrzehnten in vielen Erzeugnissen die bulga­rische Bakterienkultur durch andere, wie z.B. Lactobacillus acidophilus. Diese Mikroorganismen sind „probiotisch“, das heißt, sie ­erreichen in großer Anzahl unbeschadet den Darm und können dort ihre Stoffwechsel­tätigkeit entfalten.

Probiotik als Marketinggag

In den letzten Jahren haben einige Joghurtproduzenten dieses Faktum zum Marketinggag aufgebauscht und damit Millionen gescheffelt. So bewirbt etwa der international agierende Konzern Danone seine Activia-­Joghurts mit dem Versprechen, eine träge Verdauung werde reguliert und ein Blähbauch werde reduziert – womit er den gegenüber herkömmlichen Joghurts etwa doppelt so hohen Preis rechtfertigt.

Boom wieder abgeflaut

Tatsächlich treten beim täglichen Verzehr von Joghurt verdauungsregulierende und immunstimulierende Effekte ein. Seit sich allerdings herumgesprochen hat, dass probiotische Markenkulturen und traditionelle Milchsäurebakterien sich in ihrer Wirkung auf den menschlichen Körper nicht wesentlich unterscheiden (siehe "Probiotische Bakterienstämme"), ist der große Boom der probiotischen Joghurts ­wieder etwas abgeflaut. Dementsprechend wenige davon finden sich unter den getesteten. In Summe können wir allen Erdbeer­joghurts in Bezug auf ihre spezifische ­Lebendkeimzahl eine einheitliche und hohe Qualität attestieren.

Viele sind geschmacklich gut

In der Expertenverkostung entsprachen alle Erdbeerjoghurts bis auf eines der Güteklasse 1. Nur Desira (Hofer) landete in Güteklasse 2, weil seine Farbe zu dunkel, seine Konsistenz zu dick und sein Geschmack ­pickig süß ist, wie auch unsere Laienver­koster meinten. Doch nicht bei allen Produkten stimmten die Geschmacksurteile überein. Die von den Laien mit "Sehr gut“ bewerteten Produkte von Ja! Natürlich und Zurück zum Ursprung etwa erreichten bei den Experten nicht die volle Punkteanzahl. Dagegen konnten Natürlich für uns und Vorarlberg Milch bei den Fachleuten voll absahnen, während nach Ansicht der Laien die Aromatisierung der beiden Produkte zu wünschen übrig ließ.

AMA-Produkte liegen vorne

Alles in allem schmeckten unseren Ver­kostern die meisten Produkte gut, wobei die Erzeugnisse ohne AMA-Zeichen etwas schlechter abschnitten. Schlusslicht in der Geschmacksbewertung ist das Wikinger-Kinderjoghurt von Bauer: Die Aromatisierung war den Testern generell zu künstlich. Und fürs säuerliche, wässrige Toni’s, das einzige Schafmilch-Joghurt im Test, gab es ebenfalls Punkteabzug.

In KONSUMENT 11/2011 folgt ein Test Heidelbeerjoghurts.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Laktosefreie Joghurts
    von REDAKTION am 19.10.2011 um 11:41
    Aus finanziellen Gründen können wir leider immer nur eine beschränkte Anzahl von Produkten testen. Der Probenumfang beim Test Erdbeerjoghurt war durch die Fülle an Marken ohnehin schon sehr groß. Ihr KONSUMENT-Team
  • Lactosefreie Joghurts
    von Killerbee1969 am 17.10.2011 um 16:09
    Warum wurden keine lactosefreien Joghurts getestet?
  • Gentechnik
    von PeterPower am 10.10.2011 um 13:29
    Gentechnikfreie Nahrungsmittel sind für ÖsterreicherInnen von großer Wichtigkeit. Viele Konsumenten wissen jedoch nicht, dass Milch, Milchprodukte und Fleisch nicht als gentechnsich verändert gekennzeichnet werden müssen, auch wenn an die erzeugenden Kühe gentechnisch verändertes Futter (häufig GVO Soja) verfüttert wird. Deshalb finde ich es schade, dass im Test nicht berücksichtigt wurde, ob gentechnisch verändertes Tierfutter verwendet wird.
  • Bio Produkte
    von danchris am 06.10.2011 um 09:23
    Sehr enttäuschend finde ich as Abschneiden der Bioprodukte, welche durchwegs im hinteren Feld zu finden sind. Gerade bei diesen Produkten wird einem doch immer die Reinheit und Natürlichkeit in der Werbung versprochen.
  • Testkriterien
    von REDAKTION am 05.10.2011 um 11:55

    Für jeden einzelnen Testparameter bekommen die getesteten Produkte eine bestimmte Punkteanzahl in unserer Testauswertungsdatenbank zugewiesen, und zwar bis zu 100 für ein „sehr gut“, bis zu 80 für ein „gut“ etc. – und das für jedes einzelne Kriterium. Dadurch können sich im Endurteil unterschiedliche Punkteanzahlen ergeben, auch wenn die Gruppenurteile (z.B. Laienverkostung) gleich erscheinen – aber ein Produkt hat beispielsweise ein gutes „gut“ mit 79 Punkten bekommen, das andere ein schlechtes „gut“ mit 61 Punkten. Das schlägt sich dann natürlich im Endurteil nieder.

    Grundvoraussetzung für uns ist, dass gesetzliche Vorschriften eingehalten werden. Ist ein Produkt beispielsweise verdorben, würde es mit „nicht zufriedenstellend“ bewertet, entspricht die Kennzeichnung nicht den gesetzlichen Vorgaben, wird das Produkt im besten Fall mit „durchschnittlich“ bewertet bzw. eine Stufe abgewertet.

    Gerade hinsichtlich der Kennzeichnung bekommen wir immer wieder Leserbeschwerden (zu kleine Schrift, finde ich irreführend, etc.), deshalb ist uns dieser Punkt besonders wichtig. Es tut uns leid, wenn Sie finden, das wir den Test „nicht im Sinne des Konsumenten“ gemacht haben, da wir auf eine Bewertung von Aromen verzichtet haben. Uns ist wichtig, die Problematik aufzuzeigen, deshalb ist eine Aromatisierung in der Online-Tabelle auch angeführt.

    Aber es scheint gerade beim Fruchtjoghurt zwei Konsumentengruppen zu geben, wie wir auch bei unserer Laienverkostung festgestellt haben. Es gibt eine Gruppe, die Wert auf ein Joghurt ohne Aromen legt, und der aromatisierte Joghurts in der Blindverkostung schnell „zu intensiv, zu künstlich“ schmecken. Aber es gibt auch eine große Gruppe, die Fruchtjoghurts ohne Aromen als „fad, schmeckt nach nichts“ bewerten. Deshalb ist es uns wichtig, die einzelnen Inhaltsstoffe zu veröffentlichen, aber nicht zu bewerten, um unseren Lesern die Wahlfreiheit zu ermöglichen.

    Ihr KONSUMENT-Team