KONSUMENT.AT - Grüner Veltliner - Expertenverkostung

Grüner Veltliner

Ein guter Tropfen

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Konsument 7/2010 veröffentlicht: 24.06.2010

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Expertenverkostung: Profis am Werk

"Expertenverkostung" heißt es in unserer Testtabelle. Was kann man sich darunter vorstellen? Einen feinen Degustations-Abend in einem angesagten Szenelokal samt teurem Essen, guter Musik und gepflegtem Geplauder mit gefeierten Star-Winzern? Keine Rede! Eine Weinverkostung von Profis ist harte Arbeit.

Das Bundesamt für Weinbau liegt im Zentrum von Eisenstadt. In einem der hellen, freundlichen Räume im Souterrain findet die Verkostung unserer Grünen Veltliner statt. Dominiert wird das Zimmer von insgesamt acht Kostplätzen in Kojenform. Jeder Platz hat ein eigenes kleines Spülbecken mit Wasserhahn. Die laufend geschulten Profi-Verkoster des Bundesamtes, etwas mehr Männer als Frauen, sitzen alle mit dem Gesicht zur Verkostungsleiterin und können einander nicht sehen.

Nur Sorte, Jahrgang, Herkunft und Qualitätsstufe der Weinprobe – also z.B. „Grüner Veltliner 2009 aus Niederösterreich, Qualitätswein“ – werden angesagt. In einem für die Verkoster nicht einsehbaren Raum hat der Ver­kostungsgehilfe unsere Weine vorbereitet. Bevor er den Experten die jewei­lige Probe einschenkt, steckt er die Flaschen in einen neutralen Überzug, um sie unkenntlich zu machen. Beim Eingießen sind keine Details des Gebindes erkennbar.

14 Weine in 40 Minuten

Während der gesamten Verkostung, die etwa 40 Minuten dauert und bei der insgesamt 14 Weine geprüft werden, herrscht konzentrierte Stille. Nur das leise Glucksen beim Einschenken des Weines ist zu hören. Dann ein ­feines Gurgeln beim Verkosten und ein sanftes Plätschern, wenn der Wein ins Spülbecken gespuckt bzw. ausgegossen wird.

Geschwenkt, beäugt, geprüft

Jede Probe wird geschwenkt und anschließend sorgfältig beäugt: Welche Farbe hat der Wein, bildet sich Schaum, sind Ausscheidungen erkennbar? Dann steckt jeder Verkoster seine Nase tief ins Glas. Harmoniert der Geruchseindruck mit dem Weintyp, der Sorte, dem Jahrgang? Fast alle nehmen einen Schluck, schmecken nach, spucken anschließend aus und schütten den Rest des Weines ins Spülbecken. Die Bewertungsbögen werden aus­gefüllt, die Geschmacksnerven zwischendurch immer wieder mit Wasser neutralisiert, die verwendeten europäischen Standardverkostungsgläser sorgfältig gespült.

Nach jedem Durchgang sammelt die Verkostungsleiterin die Bögen ein und überprüft sie auf Vollständigkeit bzw. Plausibilität. Fehlt ein Detail, muss der jeweilige Verkoster die Probe nochmals begutachten.

"... sind meine Leute sensorisch fertig"

Hausintern heißt eine Verkostung wie diese "Sonderverkostung“. Anders als bei der "Standardverkostung“, wo es um die Beurteilung der Basisqualität eines Weines geht – entspricht er einem Qualitätswein oder entspricht er nicht –, müssen die Experten hier die Proben auf eine Unzahl von Para­metern abklopfen. "Nach so einem Durchgang“, sagt Hofrat Dr. Flak, langjähriger Leiter des Bundesamtes, "sind meine Leute für den Rest des Tages sensorisch fertig.“ Man glaubt es ihm aufs Wort.

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Kommentare

  • AW: GrüVe/ Weingut Bannert
    von REDAKTION am 18.08.2010 um 15:45

    Bei der Kennzeichnung wurde bemangelt, dass die Auszeichnung "Ried Satz" im Rahmen des Staatl. Prüf-Nr.-Verfahrens nicht beantragt worden ist. "Aroma etwas Muskateller dazu verschnitten?" wurde bei der Expertenverkostung von einem einzelnen Verkoster angemerkt dem Geschmacksbild eines DAC Veltliner wird trotzdem entsprochen.

    Ihr Konsument-Team 

  • GrüVe/ Weingut Bannert
    von bertlka am 07.08.2010 um 23:10
    -Welcher Mangel besteht bei der Kennzeichnung des Bannert Veltliners( und damit der Zurückreihung )? -Sehr irritierend die Fußnote bzgl. des Muskatelleraromas und damit Andeutung eines Verschnittes, darf das noch ein DAC-Veltliner sein oder ist das eine Einzelmeinung eines Testers? Robert K.
  • Steirischer GrüVe?
    von rmueller am 03.07.2010 um 19:36
    Als Steirer behaupte ich, dass nur u n s e r Welschriesling der e c h t e ist, genau so überzeugt bin ich, dass der echte Grüne Veltliner nur aus NÖ kommen kann und so soll es auch bleiben! Robert
  • Warum Veltliner ohne Steirer?
    von REDAKTION am 28.06.2010 um 13:14
    Grüner Veltliner bzw. Weißgipfler aus der Steiermark hat in den Supermärkten leider nicht die Bedeutung wie andere Regionen. Diese Sorte wurde 2008 (Quelle: www.weinausoesterreich.at) in der Steiermark gerade einmal auf 3 ha angebaut. Im Vergleich dazu wächst Grüner Veltliner in Niederösterreich auf 14.861 ha, im Burgenland auf 2.340 ha und in Wien immerhin noch auf 206 ha. Aus den genannten Gründen haben wir daher Grünen Veltliner aus der Steiermark aus unserem Testfeld ausgeschieden.
  • Veltliner - ohne Steirer !
    von rugam am 24.06.2010 um 15:20
    Grüner Veltliner Synonyme: Weißgipfler Ich weiß, dass die Zentren des Grünen Veltliner im Weinviertel, Kamptal, Kremstal, Donauland, Wachau sind. Trotzdem hätte bei 25 Weinen einer aus der Steiermark (z.B. POLZ) mitgetestet werden müssen.