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Kaffee zum Mitnehmen

Wenn der Ober Pause macht

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Konsument 3/2003 veröffentlicht: 23.02.2003

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Unternehmens-Ethik: "Das brauchen wir nicht"

Große Worte. "Wir sind uns bewusst, dass wir jeden Tag unser Unternehmen auf eine Weise führen müssen, die Ihre Bewunderung und Ihr Vertrauen verdient." (aus dem Sozialbericht 1991 von Starbucks).

Mit dem Auftritt des rührigen US-Konzerns Starbucks ist das soziale und ökologische Verantwortungsbewusstsein der Coffeeshops ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ähnlich aktiv ist auch die Fastfood-Kette McDonald’s. Mit großem Aufwand wird versucht, das ethisch korrekte Verhalten des Konzerns unter Beweis zu stellen: Sozialberichte werden veröffentlicht, Sozialprojekte finanziell unterstützt...

Kleinere im Hintertreffen. Andere Anbieter fallen im Vergleich zu den beiden US-Platzhirschen deutlich ab. Selbst größere Europa-Konzerne können da nicht mithalten. Die meisten Mitbewerber haben sich mit der unternehmerischen Verantwortung in gesellschaftlichen Belangen noch nicht auseinandergesetzt; auf ihren Websites findet das Thema keine Erwähnung (was natürlich auch mit der unterschiedlichen Finanzkraft der Unternehmen begründet werden kann).

Fair und öko die Ausnahme. Starbucks ist die einzige der von uns untersuchten Kaffeehaus-Ketten, die auch fair gehandelten Kaffee anbietet (den Kaffeebauern werden ein Mindestpreis und die Einhaltung sozialer Mindeststandards garantiert). Kaffee mit dem Fair-Trade-Logo wird in den Starbucks-Filialen allerdings nur abgepackt verkauft, zum Trinken bekommt man ihn allenfalls bei speziellen Aktionen. Doch selbst in diesem Nebengeschäft ist die Fair-Trade-Sorte nur eine von 17 Kaffeesorten im Angebot.

Auch biologischer Kaffee fristet in den Coffeeshops ein Schattendasein. Immerhin gibt es hier neben Starbucks einen zweiten Anbieter: Heissenberger, der kleine Mitkonkurrent mit dem Stammhaus in Graz, hat ebenfalls Öko-Kaffee in seinem Sortiment.

Kluft zur Praxis. Die praktische Umsetzung von Unternehmensethik ist selbst bei den lautstarken Weltkonzernen noch nicht sehr weit gediehen. Das gilt auch im Verhältnis zu den eigenen Arbeitnehmern. Gewerkschaftliche Vertretung im Betrieb? "Wir kommen ohne das aus. Ich bin der, der entscheidet" (Starbucks Österreich-Chef Franz Holzschuh). Da sind eher jene Unternehmen im Vorteil, die mit der in Europa üblichen Form der Konfliktbewältigung vertraut sind. "Wenn im Unternehmen was nicht passt, muss man darüber reden. Das ist kein Problem" (Harald Sükar, Geschäftsführer Mann-Backwaren). Auch McDonald’s Österreich hat sich längst an diese Gepflogenheiten gewöhnt und steht laut eigenen Angaben "in gutem Einvernehmen mit der Gewerkschaft".

Zuletzt noch ein Tipp: Fragen Sie als Coffeeshop-Kunde, warum es in dieser Filiale keinen Fair-Trade- oder Bio-Kaffee gibt. Es sollte zur Selbstverständlichkeit werden.