KONSUMENT.AT - Thunfisch in Gefahr - Delphin-freundlich?

Thunfisch in Gefahr

Fischbestände dramatisch reduziert

Seite 3 von 6

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 11/2010 veröffentlicht: 13.10.2010

Inhalt

Delphin-freundlich?

Vor Jahren wurde am Thunfischfang vor ­allem die Gefährdung der Delphine kritisiert. Die auch von Flugzeugen aus gut sichtbaren Delphine waren ein Hinweis darauf, dass Thunfischschwärme, in deren Nähe sich die Kleinwale gerne aufhalten, nicht weit waren. Deshalb wurden Del­phine erbarmungslos gejagt, ohne Absicht, sie wirtschaftlich zu verwerten. Sie wurden halbtot wieder ins Wasser geworfen.

Zwischen 1950 und 1990 kamen auf diese ­Weise geschätzte 6 Millionen Delphine zu Tode. Dann wurden endlich Maßnahmen dagegen ergriffen. Bei der heute vorherrschenden Ringwadenfischerei werden Delphine zwar mitgefangen, aber sie können – unverletzt – hernach wieder freigelassen werden. In den 90er-Jahren kamen Logos wie "delphin-sicher", "delphin-freundlich" oder Ähnliches auf.

Irreführende Logos

Die auch heute weitverbreiteten Logos sind jedoch in vielen Fällen irreführend. Denn es sind nur die Gelbflossen-Thunfische, die mit den Delphinschulen im Verbund schwimmen, und das nur im tropischen Ostpazifik. Das macht gerade 5 Prozent der gesamten Thunfisch-Fänge aus. Wird eine Dose Skipjack als delphin-freundlich gepriesen, so ist dies schlicht unsinnig.

Auf der anderen Seite werden auch heute noch Delphine zum Opfer der Thunfisch-Fischerei. Sie werden zwar nicht mehr getötet, aber Jungtiere können von ihrer Mutter getrennt werden – und allein vermögen sie nicht zu überleben. Außerdem wurde und wird schamhaft verschwiegen, dass nicht nur Delphine als wirtschaftlich wertloser Beifang in die Netze der Fischereiunter­nehmen gehen.

40 Prozent Beifang

Je nach Fangmethode kann der Beifang 40 Prozent und mehr aus­machen. Dazu zählen beispielsweise Haie, Seevögel oder Meeresschildkröten und ­natürlich auch kaum verwertbare Jung-Thunfische. Es gibt eine Schätzung, der­zufolge ein geretteter Delphin das Leben von einem Speerfisch, 20 Haien oder ­Rochen und 16.000 Jung-Thunfischen kostet.

Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
2 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Thunfisch-Ethik Report
    von Franz Wank am 15.11.2010 um 16:06
    Es ist furchtbar mit anzusehen, wie mit den Schleppnetzen tonnenweise sogenannter "Beifang" aus den Meeren gezogen und dann wieder im Meer entsorgt wird. Wann werden die geldgierigen Fischfangflottenbesitzer endlich merken, dass sie das gesamte Ökosystem durcheinander bringen. Erst wenn es zu spät ist? Sie sägen, wie so viele, auf dem Ast, auf dem die Menschheit sitzt! Dann werden sie merken, dass man Geld nicht essen kann!