KONSUMENT.AT - Thunfisch - Besser aus der Dose als frisch

Thunfisch

Um Dosen besser

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Konsument 11/2010 veröffentlicht: 14.10.2010

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Besser aus der Dose als frisch

Gegessen ist die Sache trotzdem nicht. Auch wenn die von uns gemessenen Werte erfreulich niedrig sind, bleibt für die Be­völkerung in Europa die Gefahr einer Quecksilberbelastung durch kontaminierte Lebensmittel, insbesondere durch Fisch, bestehen. Die Experten der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) und des BfR (Deutsches Bundesinstitut für Risikobewertung) raten daher Risiko­gruppen wie Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern davon ab, größere Mengen von Fischen und Fischprodukten, die mit Quecksilber verunreinigt sein können, zu verzehren. Dazu zählen Hai, Heilbutt, aber auch Thunfisch.

Die EEK (Eidgenössische Ernährungskommission) empfiehlt Schwangeren wie Stillenden, pro Woche höchstens eine Portion frischen Thunfisch (130 g) oder maximal vier Portionen Thunfisch aus der Dose (ebenfalls 130 g pro Portion) zu verspeisen. Viermal pro Woche Thunfisch aus der Konserve ist auch für die FSA (Food Standard Agency – britische Lebensmittelbehörde) in Ordnung.

Weshalb müssen sich Risikogruppen bei frischem Thunfisch mehr zurückhalten als bei Dosenfisch? In der Fischkonserve steckt normalerweise, wie auch unser Test bestätigt, vergleichsweise wenig Quecksilber. Das liegt daran, dass hauptsächlich kaum belastete Thunfischarten wie Skipjack und Gelbflossen-Thun sowie kleinere Fische eingedost werden.

Histidin, Histamin oder was?

In Fischen kann viel Histidin bzw. Histamin stecken. Histidin ist eine Aminosäure, die in größeren Mengen unter anderem im Thunfisch vorkommt. Durch verschiedene Bakterienarten entsteht daraus Histamin. Lebensmittel, die viel Histamin enthalten, können im menschlichen Körper pseudoallergische Reaktionen mit Hautrötungen und Juckreiz auslösen. Es gibt daher eine Verordnung, die für bestimmte Fischarten, zu denen auch der Thunfisch gehört, einen Grenzwert von maximal 200 mg Histamin pro kg Fischfleisch festlegt. Kein einziges unserer 13 getesteten Produkte überschritt diesen Wert. Zwei Erzeugnisse, Connétable und Vier Diamanten, blieben überhaupt unter der Nachweisgrenze.

Trotz dieser guten Ergebnisse gilt: Leiden Sie an einer Histaminintoleranz, sollten Sie auf Thunfisch prinzipiell verzichten. Schon geringste Mengen (15 µg – Mikrogramm) können zu Gesichtsrötungen und einer verlegten Nase führen.

Nicht versalzen

Zufriedenstellend sind die Ergebnisse auch, was den Salzgehalt betrifft. Alle ­Produkte enthielten zwischen 0,41 und 1,28 Gramm Kochsalz pro 100 g Thunfisch. Wendet man hier das Ampelschema der Food Standard Agency an, das von der EU vor einigen Monaten leider abgeschmettert wurde, so steht bei allen Fischkonserven die Ampel auf Gelb. Grün und damit weniger Kochsalz wäre natürlich besser, aber man wird bescheiden.

Natürlich haben wir alle unsere Testkandidaten auch verkostet. Nun ja, geschmacklich waren die Produkte kein Heuler. Das hatte aber auch niemand erwartet.

Bleibt noch die Kennzeichnung der Dosen. Hier gab es den üblichen Ärger – und das Phänomen, dass Testsieger Callipo seine Thunfischfilets korrekt auszeichnet, seinen Tonno al naturale dagegen nicht. Hätten alle Erzeuger ihre Hausaufgaben gemacht, gäbe es ausschließlich tadellose Noten. So aber reichte es bei vier Produkten nur für ein „durchschnittliches“ Testergebnis, was in diesem Fall im wahrsten Sinn des Wortes „für die Fische“ ist

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Kommentare

  • Lasche zum Aufreißen der Dose
    von rechtspolitik am 09.02.2011 um 15:24
    Eine Praxisbeobachtung zu behaupten, die bei der Untersuchung gar nicht vorkommt, ist unfair. Bei verdorbenen Produkten wurde auch noch nie erwähnt, daß diese in der Praxis eigentlich immer in Ordnung sind. Im Übrigen läßt sich auch jede Dose mit Lasche per Dosenöffner aufmachen.
  • Thunfisch dosen mit Lasche traditionell öffnen geht ! ?
    von Witz am 21.10.2010 um 11:56
    Sie schreiben: Wer zu wenig Kraft in den Fingern oder ­keine Lust hat, sich beim Anheben der ­Lasche die Nägel zu ruinieren, muss zu La Perla greifen. Es ist das einzige Produkt in unserem Test, für das man noch einen traditionellen Dosenöffner braucht. - Da muss ich sagen dass man auch eine Dose mit Lasche (oder abgebrochner LAsche(!)) mit traditionellem Dosenöffner aufbekommt. Habe ich zumindest die Erfahrung gemacht.