KONSUMENT.AT - Lippenherpes: Rezeptfreie Mittel im Test - Heparin und Melisse

Lippenherpes: Rezeptfreie Mittel im Test

Pure Lippenbekenntnisse

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Konsument 6/2009 veröffentlicht: 29.05.2009

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Nicht besser schneiden die beiden anderen Präparate im Test, Widmer Lipactin Gel sowie Lomaherpan Fieberblasencreme, ab. Widmer Lipactin Gel basiert auf einer Wirkstoffkombination aus Zinksulfat und Heparin. Zinksulfat hat gewisse austrocknende und antiseptische Eigenschaften, Heparin hemmt die Blutgerinnung und wirkt antiviral. Heparin kann zudem Wasseransammlungen und Blasen im Gewebe verhindern. Die therapeutische Wirksamkeit dieser Kombination bei Lippenherpes ist jedoch nicht ausreichend belegt.

Wir beurteilen das Mittel deshalb als wenig geeignet bei Lippenherpes zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz. Das pflanzliche Präparat Lomaherpan Fieberblasencreme beurteilen wir als wenig geeignet bei Lippenherpes zur Linderung von Schmerzen und Juckreiz, weil die therapeutische Wirkung selbst bei rascher Anwendung gering ist. In Kultur zeigt die an ätherischen Ölen und Gerbstoffen reiche Droge antibakterielle, antivirale und antioxidative Wirkung. Aussagekräftige Studien an Menschen, die die antivirale Wirkung bei Herpes labialis fundiert belegen, liegen allerdings nicht vor.

Kein geeignetes Präparat

Die getesteten Präparate sind zur Behandlung von Beschwerden bei Lippenherpes praktisch ungeeignet. Das Versprechen, dass die Präparate den Krankheitsverlauf verkürzen und den Juckreiz und die Schmerzen lindern, wird von keinem der Präparate erfüllt. Wie bereits bei vorangegangenen Medikamententests fiel uns auch hier eine merkwürdige Interpretation der Rezeptpflicht auf. So sind Präparate mit gleichem Wirkstoff in gleicher Dosierung sowohl rezeptfrei als auch als rezeptpflichtige Arzneispezialität erhältlich. Dies betrifft konkret Präparate mit 50 mg Aciclovir/g; die fünf hier untersuchten Produkte gehen rezeptfrei über den Ladentisch, während das Originalpräparat Zovirax, aber auch andere Generika, die wir ebenfalls mit „wenig geeignet“ bewerten, der Rezeptpflicht unterliegen.

Keine Heilung

Unkomplizierter Lippenherpes ist äußerlich auf medikamentösem Wege nicht heilbar, es bleibt nur Geduld. Man muss das Ende der Erkrankung abwarten. Allenfalls lassen sich die Symptome etwas lindern. Bei sehr schwerem Krankheitsverlauf kann eine Therapie mit oral oder per Injektion bzw. als Infusion zu verabreichenden Virenmitteln (Virostatika) erforderlich sein. Bei Bläschen auf der Mundschleimhaut kann das Spülen mit Salbeitee ein wenig Linderung verschaffen. Bei Bläschen im Bereich der Lippen und auf angrenzenden Hautarealen kann das Auftragen von zinkoxidhaltigen Salben (Zinksalbe, Zinkpaste) oder Schüttelmixturen (Cutimix Schüttelmixtur), die austrocknend wirken, die Beschwerden ein wenig mildern.

Eine Vorbeugung ist ebenfalls kaum möglich. Empfindliche Personen sollten allerdings Lippen und Mundregion mit einem Sonnenschutzmittel vor UVStrahlung schützen. Sind Hautareale über die Mundregion hinaus betroffen oder halten die Beschwerden über eine Dauer von zehn Tagen hinaus an, ist die Konsultation eines Arztes unbedingt erforderlich.

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