KONSUMENT.AT - Wasserenthärtung - Interview DI Dr. techn. Jutta Schnecker

Wasserenthärtung

Kampf dem Kalk

Seite 4 von 6

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 11/2011 veröffentlicht: 27.10.2011

Inhalt

KONSUMENT befragte DI Dr.techn. Jutta Schnecker. Die Biochemikerin führt beim VKI Beratungen für Wasserenthärtungsanlagen durch.

Was ist beim Betrieb einer Ionenaustauscheranlage zu beachten?

Bild: DI Dr. techn. Jutta Schnecker 
DI Dr. techn.
Jutta Schnecker

Das große Problem von Ionenaustauschern kann eine Ansammlung von Bakterien sein, wenn die Anlage vom Besitzer nicht regelmäßig gereinigt wird. Im Gerät können sich völlig unbemerkt Schichten von Bakterien (Biofilm) bilden, was natürlich die Trinkwasserqualität beeinträchtigt.

Wie lassen sich diese für Bakterien „idealen“ Bedingungen vermeiden?

Die wichtigsten hygienischen Maßnahmen, um einer Bakterienvermehrung vorzubeugen, betreffen den richtigen Umgang mit dem Salzvorratsbehälter: Vor jedem Nachfüllen des Regeneriersalzes in den Vorratsbehälter ist es wichtig, dessen Innenseite mit einem Stück Küchenrolle zu reinigen. Der Anlagenbetreiber sollte darauf achten, dass kein sichtbarer Staub über den Salzsack in den Behälter gelangt. Denn Staub ist Nahrung für Bakterien. Ich rate immer, die Oberfläche des Salzsackes, der meistens im Keller gelagert wird, vor dem Nachfüllen mit einem sauberen, feuchten Tuch abzuwischen.

Wie erkennt der Anlagenbetreiber, ob seine Anlage verkeimt ist?

Eine starke Verkeimung zeigt sich durch gefärbte Ablagerungen, ähnlich den Schmutzrändern in einer Badewanne, an der Innenwand des Salzvorratsbehälters. In einigen Fällen haben Personen, die mich kontaktiert haben, über hartnäckige Augenentzündungen geklagt, die trotz Behandlung nicht heilten. Auch das kann ein Hinweis auf starke Keimbelastung sein.

Ließe sich mit Desinfektion, etwa über an die Anlagen angeschlossene „Keimschutzvorrichtungen“ oder durch Zugabe eines Desinfektionsmittels, ein mögliches Hygieneproblem in den Griff bekommen?

Leider nein; die bei „Keimschutzvorrichtungen“ gebildete Menge an Desinfektionsmittel oder die Zugabe eines für Trinkwasser geeigneten Desinfektionsmittels sind nicht ausreichend, um Bakterien vollständig abzutöten und aus dem Enthärtungsbehälter zu entfernen. Vorhandene abgetötete Bakterien sind Nährstoffe für eine weitere Bakterienvermehrung. „Keimschutzvorrichtungen“ erzeugen eine falsche Sicherheit.

Welche sind die wichtigsten Empfehlungen, die Sie Betreibern von Ionenaustauschern geben können?

Sie wählen am besten eine „getrennte“ Anlage. Um ein Reinigen zu ermöglichen, muss der Salzbehälter getrennt vom Enthärtungsbehälter aufgestellt sein. Kompaktanlagen hingegen arbeiten mit integrierten Salzbehältern, wodurch das Reinigen nicht möglich ist. Duo- oder Pendelanlagen sind im Haushalt nicht notwendig. Das Argument für diese Anlagenart ist, dass es 24 Stunden enthärtetes Wasser gibt. Die Regeneration eines herkömmlichen Gerätes mit einem Harzbehälter dauert aber nur etwa eine Stunde (während dieser Zeit steht bei „getrennten“ Anlagen kein enthärtetes Wasser zur Verfügung). Der Nachteil von Duo- oder Pendelanlagen ist, dass sich jeweils einer der beiden Harzbehälter „im Stillstand“ befindet, also nicht von Wasser durchflossen wird. Daher besteht auch hier erhöhte Verkeimungsgefahr.


Haben Sie an Ihrem Wohnort sehr hartes Wasser und enthärten Sie bereits mittels Ionenaustauscher? Oder überlegen Sie gerade die Anschaffung eines solchen Gerätes? Vereinbaren Sie ein Beratungsgespräch (kostenpflichtig) mit unserer Expertin: Tel. 01 588 77-0.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
46 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Antwort: Anlagen zur Dosierung
    von REDAKTION am 09.11.2011 um 14:30

    Korrosion: Laut unserem Expertengespräch mit den Herstellern von Wasserenthärtungsgeräten sind Dosieranlagen obsolet. Die Hersteller sehen kein Korrosionsproblem. Wir empfehlen trotzdem, den pH-Wert des aufbereiteten Wassers zu messen. Dieser sollte nicht kleiner als 7,4 sein. Liegt dieser Wert darunter, so kann es zu Korrosionsproblemen kommen. 

    Kalk: Die Gesamthärte umfasst Kalzium- und Magnesiumverbindungen, die einen Niederschlag bilden und auch jene Verbindungen, die keinen Kesselstein (sehr harte Ablagerungen) erzeugen. Wie viel tatsächlich ausfällt, ist von diesem Verhältnis abhängig.

  • Anlagen zur Dosierung
    von Rinnerberger01 am 07.11.2011 um 23:07
    Dosieranlagen mit entsprechenden Korrosionsschutzmitteln sind durchaus sinnvoll um die Rohrleitungen vor Kohlensäure zu schützen, welche bei jedem Enthärtungsvorgang freigesetzt wird. Ansonsten kommt es zu Lochfraß, speziell bei Kupferrohren. Ach kann es bei Wässern unter 21°dH zu massiven Kalkausfällungen kommen, wichtig ist dabei eine genaue Analyse des Wassers.