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Klimaerwärmung: Mehr Vielfalt im Wald

Nachhaltiges Interview

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KONSUMENT 9/2020 veröffentlicht: 27.08.2020

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Welche forstwirtschaftlichen Maßnahmen gibt es, um die Wälder klimafit zu machen?
In Baumschulen werden bis zu 1,8 Millionen Bäume jährlich gesetzt. Ziel ist, den Wald auf natürliche Weise zu verjüngen. Mischwälder und Artenvielfalt haben sich dabei als wesentlich resilienter gegen negative Umwelteinflüsse und Schädlinge erwiesen als Monokulturen.

Welche Bäume findet man in einem österreichischen Mischwald?
Neben Fichten und Tannen werden auch ­andere typisch alpine Baumarten wie etwa Zirbe gepflanzt, aber auch Laubbäume wie Bergahorn, Buche oder spezielle Wildobstbäume (z.B. Speierling, Elsbeere, Wildapfel oder Vogelkirsche). Letztlich hängt die Wahl der Baumarten immer vom jeweiligen Standort ab.

Gibt es Baumarten, die sich besonders gut an die Klima­erwärmung anpassen?
Lärchen und Tannen sind gut gerüstet. Die Tanne kann als Tiefwurzler – sie holt sich Wasser und Nährstoffvorräte aus bis zu 3 Metern Tiefe – besser mit Trockenheit um­gehen. Die Lärche ist aufgrund ihrer herz­förmigen Wurzeln gut gegen Stürme gewappnet. Im niederschlagsärmeren Waldviertel oder im Wienerwald werden auch Dougla­sien ­zunehmen, da sie mit Trockenheit besser ­zurechtkommen. Diese Baumart war bisher vor allem in Nordamerika verbreitet und stellt an geeigneten Standorten eine Alternative dar, da sie schnell wächst und gewaltige Dimensionen erreichen kann. Auch die ­Buche kommt mit Trockenheit gut zurecht. Im Osten Österreichs werden die Eichenbestände ­zunehmen. Für den Wald der Zukunft braucht es jedoch einen langen Atem – Eichen benötigen bis zu 140 Jahre, bis sie groß sind.

Gutes Stichwort: Wurden in den vergangenen Jahrzehnten in der Forstwirtschaft nicht auch Fehler gemacht – wurde zum Beispiel der Fokus zu sehr auf Fichten gelegt, weil sie vergleichsweise schnell wachsen?
Produktionszyklen in der Forstwirtschaft liegen bei 120 Jahren und mehr – das ­bedeutet, dass etwa eine Fichte, die heute von den Bundesforsten geerntet wird, vor mehr als 100 Jahren gepflanzt wurde. ­Damals war der Klimawandel noch kein Thema. (Bei sehr guten Standorten werden Fichten allerdings oft bereits nach ca. 80 Jahren und weniger geerntet, Anm. d. Red.)

Es wurden nicht nur vor 100, ­ sondern auch noch vor 10 oder 20 Jahren ­Fichten in großem Stil in Österreich gepflanzt. Man hätte durchaus ­früher auf die Zeichen der Zeit achten können.
Die Fichte wurde im 20. Jahrhundert wegen ihrer Holzeigenschaften und ihrer wirtschaftlichen Attraktivität vielerorts stark gefördert. Das entsprach dem damaligen Wissensstand der Forstwirtschaft. Wie in allen Branchen werden Strategien und ­Konzepte, Methoden und Mittel über die Jahrzehnte weiterentwickelt.

Werden aufgrund des Klimawandels Waldbrände zunehmen?
Bis vor wenigen Jahrzehnten waren Waldbrände in Österreich kein Thema. Jetzt steigt die Gefahr jedoch aufgrund von ­längeren Hitzeperioden und Dürre. Zur ­Vorbeugung ist die Zusammensetzung der Baumarten wichtig: Aus Buchenlaub etwa entsteht sogenannter Mullhumus, der viel Wasser speichern kann. Fichtennadeln ­dagegen verwittern nicht so schnell und das Wasser fließt oberflächlich ab.

Gibt es auch Maßnahmen, um die Wälder auf Wetterkapriolen im ­Winter vorzubereiten?
Da bei großen Mengen an Schnee Äste ­abbrechen können, sind stabile und große Baumkronen wichtig. Das kann man schon bei der Pflanzung berücksichtigen: Jeder Baum braucht eine bestimmte Menge an Platz, um sich ausbreiten zu können. Jüngere Bäume kann man durch ältere vor Frost schützen. Auch hier gilt: Mischwälder sind auch im Winter resilienter und widerstandsfähiger.

Welche Rolle spielt die Jagd für den Wald?
Wildtiere wie Rehe, Hirsche oder Wildschweine lieben kleine Bäume. Vor allem Tannen und Buchen werden besonders gern verbissen, da ihre Triebe sehr nährstoffreich sind. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Tannen auf fast der Hälfte aller Flächen nicht höher als 1,30 Meter werden. Um ­Mischwälder zu erhalten, müssen diese ­Wildtiere daher bejagt werden.

Die Jagd hat bei manchen Menschen einen schlechten Ruf ...
... aber man darf nicht vergessen, dass Wildfleisch ein hochwertiges Lebensmittel ist. Wildtiere bewegen sich in freier Natur und merken von ihrem schnellen Tod meist nichts. Da Wölfe, Bären oder Luchse in unseren Breiten als natürliche Jäger fehlen, muss eben der Mensch zum Schutz des Waldes eingreifen.

Welche Rolle spielt der Waldboden?
Der Waldboden bildet die Lebensgrundlage für Bäume, er speichert Wasser und enthält Nährstoffe. Deshalb ist es erforderlich, den Boden gut zu schützen. Er darf keinen ­Schaden nehmen. Dafür braucht es ein ausgeklügeltes System an Forststraßen, die möglichst wenig befahren werden sollten. Denn wenn der Boden zusammengedrückt wird, bekommen die Bäume weniger ­Wasser und Nährstoffe.

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