KONSUMENT.AT - Lederschuhe: 20 Cent pro Paar - Woher kommt das Leder?

Lederschuhe: 20 Cent pro Paar

Ausbeutung, Umweltverschmutzung

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KONSUMENT 2/2016 veröffentlicht: 28.01.2016, aktualisiert: 30.05.2016

Inhalt

Chrom-VI verboten

Seit Mai 2015 ist Verkauf von Chrom-VI-­haltigem Leder in der EU verboten. Damit sollen europäische Konsumenten geschützt werden. Die Arbeiter in den Gerbereien ­bleiben aber weiterhin den teilweise hochgiftigen Chemikalien ausgesetzt.

Alternative: Pflanzlich gegerbtes Leder

Die nachhaltige Alternative zur Chromgerbung ist die Gerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen. Konsumenten finden pflanzlich gegerbtes Leder unter den Bezeichnungen altgegerbtes oder lohgegerbtes Leder, pflanzlich oder vegetabil gegerbtes Leder. Gegerbt wird vorwiegend mit Eichen- und Fichten­rinde, Eiche ist für alle Leder verwendbar.

Daneben gibt es die Gerbstoffe Tara-Schoten, Valonea und Akazie (Letzteres macht Leder eher biegsam und geschmeidig) oder Kastanie (macht Leder eher hart und rötlich). Auch Rhabarber kann zur Gerbstoffge­win­nung genutzt werden. Alle diese Gerbstoffe haben den Vorteil, dass sie schnell wachsende Rohstoffe sind.

Woher kommt das Leder?

Als wir im Jahr 2012 Lederschuhhersteller testeten , war das ­auffallendste Ergebnis, dass die Marken­konzerne in der Regel keine Ahnung haben, woher das Leder für ihre Schuhe kommt. Das trifft vor allem in Indien zu, wo Tausende von Kleinbetrieben Leder für den Weltmarkt ­erzeugen.

Dieser Mangel an Transparenz macht es schwierig, Produzenten und Marken­unternehmen zur Verantwortung zu ziehen, weil sie behaupten können, die Prob­leme seien nicht in ihrem Teil der Lieferkette zu finden. Der Mangel an Transparenz steht im Widerspruch zu den Leitlinien der Vereinten Nationen für Verbraucherschutz, wonach Verbraucher das Recht haben, über das von ihnen gekaufte Produkt informiert zu werden.

Kampagne "Change Your Shoes"

Darum geht es auch bei der Kampagne "Change Your Shoes" von Clean Clothes Österreich und Global 2000. Gemeinsam mit Partnerorganisationen in der EU und Asien fordern sie die Unternehmen der Leder­industrie auf, die Arbeits- und Sicherheits­bedingungen in den Produktionsländern nachhaltig zu verbessern und für mehr Transparenz zu sorgen.

Lisa Kernegger von Global 2000: "Die Unternehmen sollen hinsichtlich ihrer sozialen Kriterien und Umweltauflagen geprüft werden." "Change your Shoes" möchte Konsumenten motivieren, sich bei den Herstellern von Lederschuhen für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen.

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Kommentare

  • vulkanisierte Sohlen
    von 0809brigitte am 26.09.2016 um 08:21
    Bei vielen meiner liebsten Schuhe von namhaften Marken wie Gabor, Högl, Rieker und Co. sind die Sohlen inzwischen "aufvulkanisiert", was den Schustern leider einen Tausch oder Reparatur wenn überhaupt nur noch sehr schwer ermöglicht. Das finde ich außerordentlich schade!
  • Reparierbare Schuhe
    von REDAKTION am 02.02.2016 um 16:29
    Die Reparierbarkeit ist natürlich ein wesentlicher Aspekt, auf den wir bewusst aufmerksam gemacht haben, auch wenn es gar nicht das eigentliche Thema des Artikels war. Think-Schuhe sind sehr wohl reparierbar, wie uns versichert wird. Die Sohle kann im Ganzen getauscht werden. Ersatzsohlen können von Think bezogen werden, den Tausch kann jeder Schuster durchführen, er kann aber auch bei einem Händler in Auftrag gegeben werden. Ihr Konsument-Team
  • Reparierbar
    von kessler.georg am 30.01.2016 um 19:17
    Ich finde die Überlegung der Reparierbarkeit auch sehr wichtig! Das war mir gar nicht so bewusst. Da muss ich sagen finde ich die Waldviertler gut, weil die sogar ein Service für die Schuhe anbieten.
  • Reparierbare Schuhe?
    von multitude am 30.01.2016 um 15:13
    Sie schreiben "Lieber einmal ein Paar hochwertige ­Schuhe ­kaufen, die auch reparierbar sind, als mehrere Billigprodukte." Im ganzen Artikel kommt aber der Aspekt der Reparierbarkeit gar nicht vor. M. E. ist das ein sehr wesentliches Kriterium aus KonsumentInnensicht. Leider sind z. B. die Schuhe, die ich von think gekauft habe, insoferne nicht reparierbar, dass sie Sohle und Absatz in einem haben - aufgeklebt auf das Oberteil. D. h. nicht, dass geklebte Sohlen bzw. Absätze nicht reparierbar wären, aber nicht wenn sie in einem Stück sind. Auch die meisten Schuhe von "camper" sind so angefertigt, ebenso von etlichen anderen angeblich "nachhaltig" Produzierenden. Das spielt insoferen eine Rolle, als ja Absätze sich zuallererst abnützen. Bei den erwähnten Schuhen ist das dann ein Fall für die Entsorgung, auch wenn das Oberteil noch intakt wäre. Nachhaltig ist das nicht. M. E. sollten gerade KonsumentenschützerInnen darauf achten, das Nachhaltigkeit im Sinne von Reparierbarkeit gegeben ist und auch bei den ProduzentInnen darauf entsprechend hinweisen.