KONSUMENT.AT - Lederschuhe: 20 Cent pro Paar - Heimische Hersteller

Lederschuhe: 20 Cent pro Paar

Ausbeutung, Umweltverschmutzung

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KONSUMENT 2/2016 veröffentlicht: 28.01.2016, aktualisiert: 30.05.2016

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Heimische Hersteller

In den letzten 30 Jahren haben fast alle ­Schuherzeuger in Österreich, Deutschland und der Schweiz zugesperrt. Einige wenige wie GEA, Hartjes oder Think! Shoes halten dagegen.

Die Waldviertler Schuhwerkstatt (GEA) in Schrems mit dem umtriebigen Heinrich Staudinger als Chef setzt auf nachhaltige Schuhproduktion, wobei damit hauptsächlich Chrom-Misch-Gerbung (frei von Chrom VI) und Produktion in Europa gemeint ist.

Viele Lehrlinge

Als Arbeitgeber ist Staudinger nicht ­gerade beliebt, aber immerhin hat er in der strukturschwachen Gegend in den letzten Jahren neue Arbeitsplätze geschaffen. 40 Prozent der heimischen Schuhmacherlehr­linge sind laut eigenen Angaben bei GEA beschäftigt.

"Da die Produktion in Österreich immer teurer geworden ist, haben wir einen Teil nach Ungarn und ­Tschechien ausgelagert", erklärt Staudinger. Das (Kuh-)Leder kommt aus Deutschland und der ­Türkei. "Ich habe die türkische Gerberei persönlich besucht, um mir ein Bild davon zu machen."

Think! Shoes mit Umweltzeichen

Der Think! Chilli Schnürer ist das erste Schuhmodell, das mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. Es ­besteht aus komplett chromfrei gegerbtem Leder und einer Latexsohle. Die verwendeten Materialien stammen ausschließlich aus ­Europa, wo auch die Fertigung erfolgt. Aber auch die Arbeitsbedingungen müssen für das Umweltzeichen relativ hohen Standards genügen.

"Wir haben vor, die Zerti­fizierung auf unsere gesamte Kollektion auszuweiten", sagt Marketingleiterin Bianca Bardwell. Das oberösterreichische Unternehmen Think! Shoes mit dem Hauptstandort in Kopfing bezieht pflanzlich gegerbtes Leder aus Italien und lässt in Bosnien produzieren.

Anbieter nachhaltiger Schuhe

Weitere Anbieter von nachhaltigen Schuhen sind Muso Koroni, die auf vegane Schuhe spezialisiert sind, Grüne Erde oder Vega ­Nova. Das Lebensministerium hat auf der Plattform bewusstkaufen.at zahlreiche Schuhmarken gelistet, die Nachhaltigkeitskriterien entsprechen.

Get Changed, ein Netzwerk für faire Mode, hat für seinen Good Shoe Guide über vierzig Firmen befragt, die ihren Versprechungen nach großen Wert auf ökologische und soziale Aspekte der Produktion legen. Fast alle der Firmen im Good Shoe Guide stellen ihre Schuhe in Europa her, oftmals im eigenen Atelier. Das ist nicht nur wegen der Regionalität ein Pluspunkt.

Produktion in Deutschland oder England

Bei der Produktion in Deutschland oder England kann man auch ohne Zertifikat relativ sicher sein, dass die Arbeitsbedingungen europäischen Standards entsprechen, wenn auch nicht immer alle Gesetze eingehalten werden. Zudem gilt in allen EU-Ländern die ­REACH-Verordnung, welche die Verwendung besonders toxischer Stoffe verbietet.

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Kommentare

  • vulkanisierte Sohlen
    von 0809brigitte am 26.09.2016 um 08:21
    Bei vielen meiner liebsten Schuhe von namhaften Marken wie Gabor, Högl, Rieker und Co. sind die Sohlen inzwischen "aufvulkanisiert", was den Schustern leider einen Tausch oder Reparatur wenn überhaupt nur noch sehr schwer ermöglicht. Das finde ich außerordentlich schade!
  • Reparierbare Schuhe
    von REDAKTION am 02.02.2016 um 16:29
    Die Reparierbarkeit ist natürlich ein wesentlicher Aspekt, auf den wir bewusst aufmerksam gemacht haben, auch wenn es gar nicht das eigentliche Thema des Artikels war. Think-Schuhe sind sehr wohl reparierbar, wie uns versichert wird. Die Sohle kann im Ganzen getauscht werden. Ersatzsohlen können von Think bezogen werden, den Tausch kann jeder Schuster durchführen, er kann aber auch bei einem Händler in Auftrag gegeben werden. Ihr Konsument-Team
  • Reparierbar
    von kessler.georg am 30.01.2016 um 19:17
    Ich finde die Überlegung der Reparierbarkeit auch sehr wichtig! Das war mir gar nicht so bewusst. Da muss ich sagen finde ich die Waldviertler gut, weil die sogar ein Service für die Schuhe anbieten.
  • Reparierbare Schuhe?
    von multitude am 30.01.2016 um 15:13
    Sie schreiben "Lieber einmal ein Paar hochwertige ­Schuhe ­kaufen, die auch reparierbar sind, als mehrere Billigprodukte." Im ganzen Artikel kommt aber der Aspekt der Reparierbarkeit gar nicht vor. M. E. ist das ein sehr wesentliches Kriterium aus KonsumentInnensicht. Leider sind z. B. die Schuhe, die ich von think gekauft habe, insoferne nicht reparierbar, dass sie Sohle und Absatz in einem haben - aufgeklebt auf das Oberteil. D. h. nicht, dass geklebte Sohlen bzw. Absätze nicht reparierbar wären, aber nicht wenn sie in einem Stück sind. Auch die meisten Schuhe von "camper" sind so angefertigt, ebenso von etlichen anderen angeblich "nachhaltig" Produzierenden. Das spielt insoferen eine Rolle, als ja Absätze sich zuallererst abnützen. Bei den erwähnten Schuhen ist das dann ein Fall für die Entsorgung, auch wenn das Oberteil noch intakt wäre. Nachhaltig ist das nicht. M. E. sollten gerade KonsumentenschützerInnen darauf achten, das Nachhaltigkeit im Sinne von Reparierbarkeit gegeben ist und auch bei den ProduzentInnen darauf entsprechend hinweisen.