KONSUMENT.AT - Swing Kitchen: „Wir wollen die Welt verändern“ - Geschmack ist ein erlerntes Verhalten

Swing Kitchen: „Wir wollen die Welt verändern“

Nachhaltiges Interview

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KONSUMENT 10/2019 veröffentlicht: 02.08.2019

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Was entgegnen Sie Kritikern, die der „Fake-Fleisch-Branche“ vorwerfen, zum Teil bedenkliche Inhaltstoffe zu verwenden bzw. zumindest stark modifizierte Lebensmittel mit langen Zutatenlisten an die Kunden zu bringen?
Irene: Die kurze Antwort: Eine völlig übertriebene und einseitige Panikmache. Die lange Antwort: Diese Vorwürfe tauchen in regelmäßigen Abständen gebetsmühlenartig auf. Meist angefacht von einzelnen, nach Publicity lechzenden, höchst provokant auftretenden „Skandalbuchautoren“. Faktum ist, dass pflanzliche Fleischalternativen nicht mehr und nicht weniger hoch verarbeitete Lebensmittel sind, als das auch bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs der Fall ist. Das ist jetzt nichts, was der vegane Sektor erfunden hat. Diese Technologien werden hüben wie drüben benutzt. Oder auch nicht. Dasselbe gilt für die langen Zutatenlisten, die übrigens per se noch nichts Schlechtes sind. Es kommt darauf an, was tatsächlich die Zutaten sind. Und auch hinsichtlich der „bedenklichen Inhaltstoffe“ kann ich nur sagen: Kommt in allen Bereichen vor. Im veganen Sektor generell aber sehr selten. Wir benutzen z.B. in unseren Pattys rein mechanisch entfettetes Sojagranulat, wo bedenkliche Lösungsmittel keine Verwendung finden.  

Aber mal ehrlich, warum müssen vegane Produkte überhaupt so schmecken wie Fleisch?
Charly: Je authentischer, also fleischähnlicher, ein Produkt ist, desto besser wird es verkauft. Das sehen wir auch bei uns im Unternehmen.  
Irene: Geschmack ist ja ein erlerntes Verhalten. Man lernt das meist in sehr jungen Jahren. Man macht das, was man immer tut. Das, was man immer isst, schmeckt einem. Deshalb ist unser Ansatz, es den Menschen möglichst einfach zu machen – indem wir bekannte Muster anbieten, um die Schwellenangst möglichst niedrig zu halten. Charly: Ich glaube, dass unsere Gäste auch die Authentizität sehr schätzen, die Story, die dahintersteht. Wir haben wirklich gute Berufe aufgegeben, um das hier zu machen. Das, was wir früher verdient haben, verdienen wir frühestens, wenn wir 40 Filialen haben. Wenn überhaupt.  
Irene: (lacht) Ist auch gar nicht das Thema …  
Charly: Ja, das ist nicht unser Ziel. Wir wollen die Welt verändern.  
Irene: Es wird ja in letzter Konsequenz der Gesellschaft nichts anderes übrigbleiben. Wenn man es ehrlich weiterrechnet, dann geht es sich einfach nicht aus, so wie wir im Westen derzeit leben.  
Charly: Deshalb sind die Big Player auch so wichtig. Auch wenn wir in Europa alle ganz brav werden: Die Chinesen werden so viel Fleisch essen, dass die Klimabilanz dann wieder völlig kippt. Diese großen Firmen haben aber auch Einfluss auf den chinesischen Markt. Auch dort ist Bill Gates oder Leonardo DiCaprio ein Name. Je mehr es von diesen Großen gibt, desto besser wird es fürs Weltklima sein. 

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