KONSUMENT.AT - Grüner und schwarzer Tee - Mangelernährung, wenig "faire" Nachfrage

Grüner und schwarzer Tee

Hungerlöhne auf der Plantage

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KONSUMENT 3/2021 veröffentlicht: 25.02.2021

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Hungerlöhne auf der Plantage 

Während in Europa Teesorten wie Darjeeling teuer verkauft werden, werden die Pflückerinnen vor Ort mit Peanuts abgespeist – ­umgerechnet bekommen sie etwas mehr als zwei Euro am Tag. Einer indischen Regierungskommission zufolge wäre das Doppelte nötig, um ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Mangelernährung ...

"Unsere Untersuchungen ­haben gezeigt, dass in der Praxis nicht einmal diese Hungerlöhne komplett ausgezahlt werden, wenn vorgeschriebene Erntemengen von Pflückerinnen nicht erreicht ­werden“, erklärt Studienautor Benjamin ­Luig. "Während die Pflückerinnen in Darjeeling von Mangelernährung berichten, erzielen ihre Tees im Fachhandel in Europa absurde Preise von bis zu 30 Euro für 100 Gramm."

... und körperliche Unterentwicklung

Auch Studien des katholischen Hilfswerks Misereor sowie der Hilfsorganisation Oxfam befassen sich mit den Herstellungsbedingungen auf Teeplantagen, und zwar auch außerhalb Indiens. Alle drei erwähnten Studien prangern die katastrophale Ernährungssituation von Teeplantagenarbeitern an. Viele sind unter- oder mangelernährt, ein Großteil ihrer Kinder ist körperlich unterentwickelt. Arbeitnehmervertretungen sucht man auf vielen Teeplantagen vergebens.

Kritische Situation nach Bürgerkrieg

Die Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung kritisiert auch, dass selbst zertifizierte Plantagen gegen gesetzliche Vorgaben bzw. die Standards dieser Siegel verstoßen. Namentlich genannt werden Fairtrade und die Rainforest Alliance.

Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich: "In Indien ist die Situation besonders schwierig, da die Teeindustrie insgesamt massiv unter Druck steht. In Assam etwa herrschte bis vor einigen Jahren Bürgerkrieg und die Teefarmen wurden verlassen. Fairtrade hat daraufhin beschlossen, die Rehabilitierung des Teesektors zu unterstützen, um überhaupt zu Perspektiven für den Lohnerwerb beitragen zu können."

Wenig "faire" Nachfrage 

Das geringe Engagement des Teesektors und die mangelnde Nachfrage nach fairem Tee verhindere positivere Auswirkungen. Zudem fehle es an staatlicher Intervention, um Rahmenbedingungen für notwendige Verbesserungen zu schaffen.

"Im Vergleich zu anderen Fairtrade-Produkten wie Kaffee oder Bananen ist die Nachfrage nach Tee bei uns eher gering", sagt Kirner. Fairtrade hat im September 2018 ­eine Überarbeitung des Teestandards begonnen, die bis Mitte 2021 abgeschlossen sein soll. "Da geht es vor allem um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, insbesondere der Wohnsituation von Arbeitern."

Fairtrade garantiert für Tee keine physische Rückverfolgbarkeit. Das bedeutet: In einer 100-Gramm-Packung Tee mit Fairtrade-Siegel kann auch herkömmlicher Tee enthalten sein ("Mengenausgleich"). Sicher ist nur, dass der Hersteller 100 Gramm Fair­trade-Tee gekauft hat – das garantiert die Kontrollorganisation FLOCERT.

Gift im Tee

Auf vielen Teeplantagen ist der Einsatz von Pestiziden gang und gäbe. In Test: Grüntee - Schadstoffe, Wirkung 1/2017 nahmen wir Grüntee im Beutel unter die Lupe. In etlichen Produkten konnten wir viele verschiedene Pestizide nachweisen. Grenzwerte wurden zwar nicht überschritten, doch die Belastung summiert sich. Und zwar nicht nur für die Konsumenten. Für die Arbeiter auf den Teeplantagen sind die regelmäßig versprühten Giftcocktails eine massive Belastung für die Gesundheit.

Bio-Tee und direkter Handel

Bio-Tee ist per Definition frei von Pestiziden, da diese im biologischen Anbau verboten sind. Auch im Test wurden wir nicht fündig. Manche Anbieter gehen noch einen Schritt weiter: Die Teekampagne oder die Teealternative in Deutschland arbeiten im direkten Handel eng mit indischen Teeproduzenten zusammen und ermöglichen faire und ökologische Bedingungen vor Ort. Auch bei GEPA gehen die Standards über die von z.B. Fairtrade hinaus. Zudem garantiert GEPA, dass beim Tee kein Mengenausgleich stattfindet.

In Österreich ist Sonnentor eine nachhaltige Tee-Adresse: Alle Produkte sind bio-zertifiziert und fair gehandelt. Statt auf eine Fairtrade-Zertifizierung setzt auch Sonnentor auf den direkten Handel. "Weil wir uns nicht auf ein Logo verlassen wollen", heißt es auf der Sonnentor-Homepage. "Vielmehr machen wir uns lieber selber vor Ort ein Bild, indem wir direkt mit unseren ­Anbaupartnern handeln."

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Kommentare

  • Japan?
    von xylitol am 12.03.2021 um 18:12
    wie kann es sein, dass hier Japan mit keinem einzigen Wort als Teeproduzent erwähnt wird? Ist vielleicht mengenmäßig nicht so relevant, aber qualitativ sicher einer der Besten!