KONSUMENT.AT - Datenhandel: Milliardengeschäft - „Gratis“ als Trugbild

Datenhandel: Milliardengeschäft

Postprivates Zeitalter?

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KONSUMENT 7/2018 veröffentlicht: 28.06.2018

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Facebook, Google & Co verdienen mit den Daten ihrer Nutzer Milliarden. Darüber, wie viel die Daten einer Einzelperson wert sind, lässt man uns aber im Dunkeln.

Irgendwie ist es ja putzig. Wir haben in den vergangenen Jahren das Konzept Privatsphäre ad acta gelegt, unsere personenbezogenen Daten im Austausch gegen ein paar „Likes“ bereitwillig Facebook & Co überreicht und geglaubt, es geht eh alles gut. Unsere Daten sind sicher, bestimmt! Bei diesen Internetdienstleistern arbeiten doch vernünftige Menschen. Junge, integre Weltveränderer, denen man vertrauen kann!

Datenkraken

Allerdings häufen sich immer schwerer zu negierende Hinweise, dass alles anders läuft, als wir gutgläubig gehofft hatten. Insbesondere Facebook steht im medialen Rampenlicht. Es ist sogar durchaus en vogue, die Plattform zu kritisieren: „Was? Meine Daten werden ausgewertet, kategorisiert, verkauft? Eine Frechheit!“

Aber ganz im Ernst: als ob das nicht schon lange klar gewesen wäre. Lange vor dem Cambridge-Analytica-Skandal rund um Millionen gestohlener Facebook-Account-Daten, die dann im US-Wahlkampf manipulativ verwendet wurden. Lange bevor wir wussten, was eine Filterblase ist.

„Gratis“ als Trugbild

Diese jungen, integren Weltveränderer: Ja, am Beginn ihrer Karrieren waren sie es vielleicht sogar. Aber sehr bald mutierten sie zu Geschäftsmännern. Beinharten, wie man so schön sagt. Und die Währung, mit der Facebook-Chef Mark Zuckerberg oder die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zu Milliardären wurden? Unsere Daten.

Denn gratis sind diese Internet-Anwendungen nur auf den ersten Klick. Laut Duden hat das Wort „gratis“ seinen Ursprung im lateinischen Wort „gratia“ und kann mit „um den bloßen Dank“ oder „um des bloßen Dankes willen“ übersetzt werden. Es sollte jedem an diesem Punkt schnell klar werden, dass solche Unternehmen sich nicht mit unserem bloßen Dank finanzieren lassen.

Keineswegs gratis

Diese Dienste sind keineswegs gratis. Wir tauschen die Möglichkeit ihrer Nutzung gegen unsere Daten, aus denen die Unternehmen Profit schlagen. Und je genauer unsere Daten kategorisiert werden können, desto wertvoller werden diese Informationen zum Beispiel für Werbetreibende.

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Wertung: 5 von 5 Sternen
13 Stimmen

Kommentare

  • Zu abstrakt für Normalverbraucher
    von Mnemosyne am 25.09.2020 um 22:20
    Immer wieder hört man als Reaktion: "So interessant bin ich nicht!" oder "Was wollen die denn mit meinen Daten? Glaubst du wirklich, die speichern das alles?".

    Selbst hier sieht man es an den wenigen Reaktionen auf den Artikel, dass sich Leute kaum für das Thema interessieren. Das liegt vermutlich an einer sehr konsequent durchgezogenen Strategie der Datenhändler: Verschleierung.

    Zwar wird in den letzten Jahren und mit der DSGVO langsam die Intransparenz abgebaut, aber nur in Teilen. Wie trivial es ist, automatisiert Daten über den Nutzer zu erheben, sie anzureichern und spekulative Rückschlüsse auf die Person zu machen, das ist den wenigsten bekannt. Für die meisten Normalverbraucher scheint diese breitflächige und lückenlose Nachverfolgung unseres Online- und Offlineverhaltens "unwahrscheinlich" oder "eh unpersönlich", da sie wohl meinen, hier müsste jedes getippte Wort von einem Billiglohnarbeiter handverlesen kategorisiert und geordnet werden. Nun gibt es definitiv zuhauf Billiglohnarbeiter, die bei Facebook und TikTok arbeiten, aber nicht in der Form.

    Dass automatisiert erhobene Daten oft ein Problem mit "data bias" haben, ist seit einigen konkreten Fällen bei Gesichtserkennung klar. Zum Beispiel als eine weit verbreitete Gesichtserkennungssoftware in den USA 28 Kongressabgeordnete als registrierte Verbrecher erkannt haben wollte.

    https://www.cbsnews.com/news/facial-recognition-systems-racism-protests-police-bias/

    "Data bias" und schlechte Daten sind aber kein Hinderniss, wenn es um den Verkauf geht. Manche Profiling-Algorythmen ordnen einen als "wahrscheinlich depressiv" ein, wenn man nach der Arbeit öfter mal spontan zum Baumarkt fährt. Derart spekulative Rückschlüsse auf Personen, rein anhand ihres Verhaltens, das auf viele verschiedene Arten allein über das Smartphone analysiert werden kann, sind keinesfalls immer brauchbare, zutreffende Datenpunkte.

    Die Daten, die da im Hintergrund und in völliger Abwesenheit unserer Einflussnahme entstehen, sind also nicht nur hochgradig invasiv und schädlich für die Privatsphäre, sie sind möglicherweise noch dazu falsch und haben negative Auswirkungen auf unsere Kreditwürdigkeit und andere entscheidende, gar nicht so virtuelle Faktoren unseres Lebens.

    Die Rechnung geht auf, zumindest für die Datensammler. Die Verschleierung funktioniert bis dato nahezu perfekt. Niemand hat eine konkrete Vorstellung davon, wie sein/ihr psychologisches Profil in der eigenen WerbeID aussieht. Das erfahren nur die Händler und Käufer der Datensätze.

    Alle angeführten und im Artikel beschriebenen Beispiele, die zum Tagesgeschäft von Werbefirmen gehören, wirken für den/die VerbraucherIn zu abstrakt und bestensfalls als "Tinfoil hat" (Aluhut-) Verschwörungstheorie. Aber nicht umsonst nutzen die meisten, die sich im IT Bereich auskennen oder arbeiten, Tools, um sich z.B. vor Trackern zu schützen. Hier muss noch viel Bewusstseinsbildung nachgeholt werden.